Radioaktive Strahlung

Als radioaktive Strahlung bezeichnet man diejenige Strahlung, die von radioaktiven Stoffen ausgeht. Erstmals entdeckt wurde ihre Existenz im Jahr 1896 von Antoine Henri Becquerel, nach dem auch die internationale Einheit für die Aktivität von radioaktiven Stoffen benannt ist. Ein Becquerel, abgekürzt Bq, bedeutet dabei, dass pro Sekunde genau ein radioaktiver Zerfall stattfindet. Zusammen mit dem Forscherehepaar Pierre und Marie Curie erhielt er für die Entdeckung der unsichtbaren Strahlung 1903 den Nobelpreis für Physik.

Die radioaktive Strahlung entsteht, wenn ein instabiler Atomkern zerfällt und dabei bestimmte Teilchen aus dem Kern herausgeschleudert werden. Es gibt dabei drei verschiedene Zerfallsarten, durch welche Alpha-, Beta- und Gammastrahlung entsteht. Am gefährlichsten ist die Gammastrahlung, da sie Materie fast ungehindert durchdringen kann. Zur Abschwächung dieser Art von radioaktiver Strahlung, die aus ungeladenen Photonen oder Quanten besteht, sind meterdicke Blei- oder Betonplatten nötig. Alpha- und Betastrahlung lässt sich wesentlich effektiver von Materie abschwächen, da ihre geladenen Teilchen in Wechselwirkung mit dem durchdrungenen Material treten.

In der Natur kommt radioaktive Strahlung häufig vor, die Belastung für den menschlichen Körper ist aber normalerweise ungefährlich. Auch in der Medizin wird sie eingesetzt, um zum Beispiel Tumore im Körper zu lokalisieren und Krebszellen gezielt zu zerstören. Hierbei wird darauf geachtet, dass die Strahlenbelastung, ähnlich wie dies beim Röntgen gehandhabt wird, in einem verträglichen Maß bleibt. Beim Betrieb von Atomkraftwerken, dem daraus anfallenden Atommüll und der Explosion von Kernwaffen entstehen große Mengen an radioaktiver Strahlung und insbesondere Gammastrahlen.

Das wohl bekannteste Gebiet welches mit radioaktiver Strahlung verseucht ist, ist Tschernobyl.

Das wohl bekannteste Gebiet welches mit radioaktiver Strahlung verseucht ist, ist Tschernobyl.

Dringt Gammastrahlung in lebendes Gewebe von Pflanzen, Menschen oder Tieren ein, werden dort bestehende chemische Bindungen aufgebrochen, was entweder direkte Schäden für den Organismus durch das Absterben oder Mutieren von Zellen nach sich zieht oder aber das Erbgut nachhaltig schädigt. Die Folgen können von der Bildung von Tumoren, Schilddrüsenkrebs und Leukämie bis zur tödlich verlaufenden Strahlenkrankheit reichen. Insbesondere nach Strahlungsunfällen wie z.B. bei den Atomkraftwerken in Fukushima 2011 und Tschernobyl 1996 oder bei Atomwaffenexplosionen treten diese massiven Folgen auf.

Gebiete, die durch radioaktive Stoffe kontaminiert wurden, sind über sehr lange Zeit hinweg durch radioaktive Strahlung verseucht. Im Gebiet um Tschernobyl wurde beispielsweise Cäsium 137 freigesetzt, das eine Halbwertszeit von 30,17 Jahren hat. Die Halbwertszeit gibt an, nach welchem Zeitraum sich die Hälfte der ursprünglich vorhandenen Atomkerne eines Stoffes in anderen Atomkerne umgewandelt hat. 30 Jahre nach dem Unglück im Atomkraftwerk von Tschernobyl sind also nur noch die Hälfte der Cäsium 137 Atomkerne vorhanden, der Rest hat sich in diesem Fall in Bariumkerne umgewandelt. Somit hat sich die ausgehende radioaktive Strahlung nach 30 Jahren ebenfalls halbiert. Nach 60 Jahren liegt die Strahlenbelastung nur noch bei einem Viertel und nach 90 Jahren bei einem Achtel der ursprünglichen Werte.

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